Geschichten, die das Leben schrieb

Beitrag kommentieren | Beitrag verfasst 20. Februar 2007

Ich muss ein wenig überlegen, ob ich etwas aus dem Leben eines Zoohändlers und Aquarianers berichten kann...

Eine Katze im Aquarium gab es bei uns auch einmal. Witzig war nicht nur, wie der Kater im teilgefüllten Becken - halb watend, halb schwimmend (sie tuns dann wie Nilpferde) - seine Kreise zog, sondern die Reaktion des zweiten Katers auf die Aquariumkatze: sein Anblick entsetzte ihn so sehr, dass er wie ein gebürsteter Strich aus dem Zimmer raste. Bei dem vorhandenen Teppichboden war das Sprichwort 'die Kurve kratzen' auch in der Praxis deutlich vernehmbar.

In einem Aufzuchtbecken für Colisa lalia wurde Tümpelfutter gereicht. Nach einigen Wochen fielen mir plötzlich seltsame Tiere auf - Molche! Die Colisas wurden gern gefressen und die Molche später wieder in das Biotop, wo sie mit Wasserflöhen als Larven ausgefischt wurden, zurückgesetzt.

Ein Kugelfisch verwechselte einmal meine fütternde Hand mit den angebotenen Muscheln. Er verbiss sich in einen Finger, ich zog die Hand im Schreck aus dem Aquarium, der Fisch hing daran und flog in hohem Bogen hinter meinen Rücken. Damit war bewiesen, dass Kugelfische - der Fliehkraft ausgesetzt - von ihrem Gewicht völlig überrascht werden.

Ein Panzerwels durchstach meine Hand... aber die Geschichte kennt schon der eine oder andere. Piranhas haben mich auch schon gebissen. Ein Panzerwels wurde leider vom absaugenden Schlauch angesaugt und blieb in der Mitte stecken - es gab kein nach vor und kein zurück mehr. Schließlich wurde der Schlauch an den Brauseschlauch angeschlossen, und der Panzerwels schoss mit vier Bar zurück in die Wanne.

Mein Kater hat mir in der Küche ein 54 Liter Aquarium zertrümmert. Das Becken stand in Tischkantenhöhe auf seinem Unterschrank. Der Kater sprang auf den Tisch und wurde sofort mit einen *Zischen* zurechtgewiesen. Darüber erschrak das Luder dermaßen, dass er - in der Sprungbewegung - sich mit durchdrehenden Pfoten gleich wieder von der Tischplatte abstoßen wollte. Die polierte Tischplatte gab derlei Ambitionen keinen brauchbaren Rückhalt, und so stieß er sich mit den Hinterpfoten an der Obstschüssel, platziert in der Tischmitte, ab. Die Obstschüssel - sonst ein Stilleben mit Orangen und Bananen - nahm diesen Anstoss dankbar entgegen und rauschte über die Eisfläche des Küchentisches geradewegs in die Frontscheibe des Aquariums.
Es gab einen Knall, und eine Sekunde später war das Aquarium leer, die Obstschüssel lag im Aquarium, und zwischen Bananen und Orangen schwammen Rote Neon über den Küchenfußboden.
Es ist erstaunlich, wie rasch einen die Lähmung nach dem Erfassen des Irrsinns wieder verlässt. Die Sache ist für alle Beteiligten einigermaßen glimpflich ausgegangen.

Die Osmoseanlage im Badezimmer produzierte ihren Saft quälend langsam. Ein 25 Liter Kübel war erst nach Stunden gefüllt. Ich schlief eines Abends ein und wurde gegen drei Uhr durch heftiges Klopfen an der Wohnungstür geweckt. Der liebe Nachbar dachte an einen Wasserschaden, und ich konnte ihn auch nicht damit beruhigen, dass es 'nur' eine übergelaufene Osmosewassertonne war.

Im Aquarium einer Freundin wurde ein mit Torfgranulat gefüllter Strumpf eingebracht. Der schließende Bindfaden hing über den Beckenrand. Nach dem Wochenende war das Aquarium bis zur Hälfte über den Bindfaden leergetropft.
Neulich sprang mir ein Arowana im Schreck aus dem Aquarium. Das Ungewöhnliche dabei: er benützte einen 2,5 cm großen Spalt am Rand des abgedeckten Beckens. Das Außergewöhnliche dabei: er sprang ins benachbarte Aquarium. Das Unglaubliche: er traf dort genau einen ebenfalls etwa 2 cm großen Spalt am Rand des abgedeckten Aquariums. Dergleichen werde ich nicht mehr erleben...

Ein Knabberfisch schaffte es, in der dreireihigen Aquariumanlage von ganz oben nach ganz unten zu wandern. Ob es ein Sprung auf Raten war oder der Acapulcosprung in einem Stück durchgeführt wurde - keine Ahnung. Eine Vorahnung bestätigte jedoch, dass es zwei seinger Kollegen nicht geschafft hatten und auf dem Fußboden vertrockneten. Fische überleben Pech eben selten...

Beim Auspacken einer Fischlieferung hielt ich einen Beutel hoch - keine Fische drin. Man hatte zwar den Beutel mit Transportwasser gefüllt, jedoch auf die Fische vergessen...
Dergleichen passiert mir übrigens öfter - beinahe. Antennenwelse und Flossensauger bleiben gerne im Becher kleben. Oder im Netz hängen. Fisch in Becher, Becherinhalt in Sack, Sack zu, Sack hochgehalten und kontrolliert - nix drin. Kein Fisch im Sack - der hängt noch im Fangnetz oder ist - nicht blöd - gleich wieder aus dem eingehängten Fangbecher ins Becken zurückgesprungen.
Richtig peinlich wirds nur gelegentlich. Man öffnet die Aquariumabdeckung, der Kunde hat gewählt - es dürfen Panzerwelse sein. Man hängt den Becher ein, fängt den ersten Panzerwels und setzt ihn in den Fangbecher. Dann passiert Seltsames: man hört nämlich aus dem Becher ein merkwürdiges Poltern und Furzen! Spinnt die Welt? Ausnahmsweise heute nicht, vielleicht morgen, aber leider wurde vergessen, den Becher vorher mit Wasser zu füllen, und der Fisch - könnte er schreiben - würde mir künftig Drohbriefe zukommen lassen. Wasser drauf, und gut is, Fisch - ich habe ja den roten Kopf, das ist auch eine Strafe.

Es ist noch ein Glück, wenn der Kunde oder der Verkäufer beim Kassieren oder Bezahlen merkt, dass da ein Fisch im Beutel fehlt oder der Beutel nicht nur keine absolut transparenten Glassalmler, sondern rein gar nichts enthält, was den vorgeschlagenen happigen Literpreis Aquariumwasser rechtfertigen würde.
Es lohnt sich dann, noch einmal im Fangbecher nachzuschauen. Bei Beilbauchsalmlern oder Sumatrabarben kann es sein, dass der Fangbecher beim Packtisch leer ist und die Fische den Fußboden schmücken - Hand drauf, auf den Becher nämlich, ehrlich! Fische haben auch manchmal das Glück, Aquariumfische zu werden!
Sachen gibts...

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